Renaissance für Möbel und Accessoires mit „Wiener Geflecht“

Lange Zeit war das „Wiener Geflecht“ mit seiner charakteristischen Waben-Struktur verschwunden. Jetzt feiern die Möbel mit der prägnanten Bespannung ein fulminantes Comeback – und das ist nicht nur Kaffeehäusern oder gar Flohmärkten vorbehalten.

Zahlreiche Designer und Möbelhersteller haben den neuen-alten Trend bereits umgesetzt. Wir stellen ausgewählte Exemplare vor.

Der Ursprung der Wiener Geflecht Möbel

Tatsächlich war es Burgholz-Möbel-Pionier Michael Thonet, der Ende des 19. Jahrhunderts Möbel mit dem so genannten Peddigrohr-Flechtwerk auf den Markt brachte. Die Basis der charakteristischen Flechttechnik bilden zwei Längs-, zwei Quer- und zwei Diagonalstreifen. Das Material aus dem Rattan-Stamm selbst zeichnet sich durch eine besondere Langlebigkeit und Robustheit aus. Und: es lässt sich nicht nur leicht verarbeiten, sondern auch gut ausbessern und kleben. Zu Zeiten, in denen „Möbel für ein ganzes Leben“ gewünscht waren, irgendwo auch eine Vernunftsentscheidung. Die Flechttechnik selbst war übrigens auch im Jahr 1850 keine bahnbrechende Innovation, sondern wurde bereits im Barock-Zeitalter eingesetzt, um Möbel zu bespannen. Aber erst Thonet machte Stühle und Tische mit Wiener Geflecht massentauglich und setzte Millionen Exemplare davon ab.

Während Anfang des 20. Jahrhunderts also zahlreiche Haushalte plus etliche Kaffeehäuser mit den Waben-Flechtmöbeln ausgestattet war, sind die auffälligen Hingucker heute eher ein Schmankerl für Individualisten und Nostalgiker – aber dabei sehr vielseitig einsetzbar. Und besitzen unter Kennern einen ganz besonderen Stellenwert.

Von Thonet bis Jaime Hayon – das „Wiener Geflecht“ ist zurück

Naturgemäß und traditionsbedingt führen die Nachkommen Michael Thonets, die Unternehmen „Gebrüder Thonet Vienna“ sowie „Thonet“, heute zahlreiche Stühle und Tische in dem auffälligen Stil. Aber auch andere Möbelhersteller und Designer haben die Liebe zu der kunstvollen Flechttechnik, die ihren Ursprung übrigens in Indonesien hat, mit ihren Werken wieder aufleben lassen.

Da wären beispielsweise das dänische Design-Studio cane-line mit einer umfassenden Outdoor-Kollektion oder der spanische Designer Jamie Hayon mit seiner Interpretation der Burgholz-Technik in Form des Stuhls „Frame“. Sie befinden sich in der guten Gesellschaft weiterer, großer Namen wie Rafael Moneo, Nigel Coates, Grange und Hermés. Normann Copenhagen hingegen zeigt mit seinem Tablett „Salon“, dass das Geflecht aus als Accessoire funktioniert. Sie alle haben gemeinsam gezeigt, dass die Zeiten der durchschaubaren Möbel noch lange nicht vorbei sind.

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