Was ist Wabi-Sabi?

Wabi-Sabi ist ein ästhetisches Konzept aus Japan, das aktuell in den Bereichen Einrichtung und Wohndesign internationale Trends setzt. Obwohl es sich bei dem Trend aus Fernost strenggenommen um keinen Einrichtungsstil (wie beispielsweise Feng Shui) handelt, sondern um eine allgemeine Geisteshaltung, ist das Konzept vor allem Kennern der Einrichtungsbranche und Innenarchitekten bekannt.

Im Kern geht es darum, die Schönheit des Unperfekten zu erkennen. Hart übersetzt bedeutet „wabi“ eigentlich „traurig, verlassen, allein“ und „sabi“ „alt sein, Patina ansetzen, vergehen“. Nur zusammen steht die Wortschöpfung für etwas Positives, nämlich die einfachen Dinge zu schätzen und zu genießen. Auch ist nicht die offenkundige Schönheit erstrebenswert. Viel „schöner“ als der unmittelbare Glanz der Sonne, ist der gebrochene des Mondes. Als Schönheitsideal gelten daher bemooste Felsen, angerostete Teekessel oder ein knorriger Baum. Diese Sichtweise basiert grundsätzlich auf dem Zen-Buddhismus und soll damit auch ein ausgeglichenes, harmonisches Leben und Miteinander ermöglichen.

Diese Geisteshaltung wird dann auch auf das Wohnen übertragen. Im Fokus stehen die Abkehr vom sinnlosen Konsum, Respekt für die Natur, die Besinnung auf das Wesentliche, der Genuss optischer Leere und die Wertschätzung und Pflege von allem Alten.

Wohnen im Wabi-Sabi Stil

Wer nach dem außergewöhnlichen japanischen Konzept leben will, sollte es grundsätzlich sehr puristisch und minimalistisch lieben. Und: Alles Überflüssige kommt weg. Keine Sorge, dazu gehören nicht Ihre Lieblingsstücke. Die dürfen und sollen unbedingt behalten werden. So fügt sich beispielsweise eine angeschlagene Vase, die Sie als Erbstück erhalten haben, perfekt in das Wabi-Sabi Konzept ein, während aber dafür die siebenundzwanzigste Plastikdose, die ständig die Küchenschublade blockiert, auf den Müll gehört.

Das Prinzip ist so einfach wie wirkungsvoll: Beschränken Sie sich auf das Wesentliche. Wie Sie selbst das Wesentliche definieren, bleibt Ihnen überlassen. Behalten Sie Möbel und Gegenstände (am besten aus Naturmaterialien), die Sie nahezu täglich benutzen oder einsetzen und die für Sie einen Wert haben. Trennen Sie sich von allem, auf das das nicht zutrifft.

Im Folgenden stellen wir weitere Wabi-Sabi Basis-Regeln vor und geben Tipps für die ganzheitliche Umsetzung.

Wabi-Sabi Möbel

Holz, Holz, Holz. Damit wären die drei wichtigsten Charakteristika von Möbeln im Wabi-Sabi Stil zusammengefasst. Idealerweise natürlich möglichst unbehandelt und gerne hell. Im Bereich Polstermöbel ist möglichst naturbelassenes Leder das Maß der Dinge – in diesem Fall gerne mit Patina bzw. Gebrauchspuren. Beim Arrangement der Möbel gilt es, die goldene Regel „Kein Stück zu viel, aber auch kein Stück zu wenig“ zu beachten.

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Wabi-Sabi Farben

Bei der Farbgestaltung ist alles erlaubt, was in der Natur zu finden ist. Als vorherrschende Wandfarben gelten allerdings einfache Weiß- und Grautöne oder Sandfarben. Wichtig ist, dass sich die Nuancen gut miteinander kombinieren lassen und es nicht zu bunt wird. Etwas Abwechselung ist aber durchaus erlaubt.

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Wabi-Sabi Materialien

Obwohl der Stil selbst per Definition zurückhaltend und reduziert daher kommt, ist ein gelungener Materialmix durchaus wünschenswert. Wichtig dabei sind aber die Qualität und Wertigkeit. Solange die Möbel, Textilien und Accessoires hochwertig (verarbeitet) sind und Naturmaterialien die Basis bilden, können Keramik, Leinen, Wolle, Bambus und Holz (sogar Treibgut) beliebig miteinander kombiniert werden. Im Badezimmer oder in der Küche sind hingegen (alte) Messingarmaturen mit Gebrauchspuren ideal.

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Wabi-Sabi Heimtextilien

Hier gilt die Faustregel: Finger weg von wilden Mustern und Kunstfasern. Damit es trotzdem heimelig und gemütlich wird, sollten Decken, Kissen, Gardinen oder Polstern aus Wolle, Baumwolle, Jute oder Leinen bestehen. Achten Sie zudem gerade Schnitte und dezente Farben.

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Wabi-Sabi Dekoration & Wohnaccessoires

Von der rostigen (japanischen) Teekanne bis hin zu angelaufenen Kerzenständern ist alles erstrebenswert, was nicht makellos ist. Auch Asymmetrie spielt eine große Rolle. Statt die frischen Blumen gekonnt in der Vase zu arrangieren, sollten sie lieber kreuz und quer heraushängen – ebenso, wie sie auch in der Natur zu finden sind. Zugegeben: Das Wabi-Sabi Konzept in dieser Form umzusetzen, erfordert einiges an Disziplin und Umdenken der bekannten (und europäischen) Standard der Innenarchitektur. Wer es aber einfach einmal ausprobiert, findet bestenfalls schnell Zugang zu der Ästhetik des Unperfekten.

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