Von Hamburg nach New York …

Er sei eigentlich ein Chaot, sagt Tobias Grau über sich selbst. Weggefährten und Kollegen nennen ihn einen Perfektionisten. Das beide Extreme kein Widerspruch und erst recht kein Hindernis für den Erfolg sein müssen, zeigt der konsequente Aufstieg des Designers, der heute über 100 Mitarbeiter beschäftigt, landesweit über eine Hand voll eigener Läden betreibt und mit seinen puristischen Entwürfen weltweites Renommee genießt.

Ende der 50er Jahre in Hamburg geboren, zog es Tobias Grau nach der Schule zunächst in die bayerische Landeshauptstadt, bevor er dann doch den Schritt über den großen Teich wagte und in New York die Parson School of Design besuchte und später in Pennsylvania Praktikant bei Knoll International wurde.

Was dann ab Mitte der 80er Jahre folgte, ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte: Mit 27 Jahren wagte Grau den Schritt in die Selbständigkeit und startete als Designer in Hamburg mit innenarchitektonischen Arbeiten für Büros, Agenturen, Modeboutiquen und kleineren Firmen. Für diese Einrichtungen entstanden Entwürfe für Möbel und Leuchten.

Leuchtendes Designerleben

Dabei hat Grau schon früh erkannt, wie zentral eine innovative wie ästhetische Lichtgestaltung für die Innenarchitektur ist – und wie fruchtbar die Zusammenarbeit mit spezialisierten Handwerksbetrieben sein kann. Aus dem Kooperationsgedanken heraus entwickelt Grau die erste eigene Leuchtenkollektion, die 1987 dann unter seinem Namen auf der imm cologne vorgestellt wird.

Heute, über 30 Jahre später, ist Graus Name so unmittelbar mit Licht-Design verbunden, wie wohl bei keinem anderen. Das nach ihm benannte Label bringt von Hamburg aus u. a. Pendelleuchten, Tischleuchten, Decken- und Bodenleuchten und LED-Lichtringe heraus. Zu den bekanntesten Stücken der Kollektion gehören Modelle wie Falling Leaf, Tai, Bill, Twist, Soon und die Pendelleuchte Oh – lange ein Verkaufsschlager des Labels.

© Tobias Grau

Die verschiedenen Designs sind geprägt von klaren Strukturen und einheitlichen Materialien. Auf verschiedene und ungewöhnliche Weise werden Materialien miteinander kombiniert. Dabei entstehen klassische Leuchten oder auch Stücke mit einer gewissen Extravaganz. Im Raum wird jedes Modell dank seiner hohen ästhetischen Wirkung zum echten Eyecatcher.

tobias grau leuchten

© Tobias Grau

Zahlreiche Auszeichnungen 

Graus Entwürfe stechen mit ihrer klaren Designsprache heraus aus dem unendlichen Lampenangebot, bei dem ein Exemplar auffälliger und prunkvoller ist als das andere. Purismus statt Schnörkel, lautet die Devise. Dafür wurde der vierfache Familienvater zigfach ausgezeichnet. Allein den begehrten Designpreis der Bundesrepublik in Gold, der vom angesehenen Rat für Formgebung vergeben wird, hat er bereits zweimal erhalten. Abgesehen davon, dass Preise gut fürs Geschäft seien, wäre dies ein ganz besonderer, hat Tobias Grau einmal in einem Zeitungsinterview gesagt. Weitere Preise hat er über die Jahre in ebenso großer Zahl abgeräumt, darunter den Reddot Design Award, den iF Produkt Design Award und den internationalen Interior Innovation Award der imm cologne.

Trotz des Erfolgs sieht Grau sein Label eher als kleine Firma. Der Firmensitz liegt heute in Hamburg. Hier übernehmen die Mitarbeiter nicht nur das Design. In den Werkshallen sind auch Endmontage und Service untergebracht. So will Qualität und Design aus einem Hause sicherstellen. Den internationalen Wettbewerb scheut er bis heute keineswegs. Nur muss er über das ganz Business manchmal auch Schmunzeln – der deutsche Designer, der zwischen den Lichtwelten pendelt.

© Tobias Grau

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