Mit unserer Preview hatten wir Sie bereits auf die Salone del Mobile 2019 in Mailand eingestimmt. Nun ist sie Geschichte. Was bleibt, ist jede Menge Inspiration für die Verwirklichung unserer gegenwärtigen Wohnträume. Und ein (Ein-)Blick in die Zukunft. Denn die künstliche Intelligenz hat Einzug in die Möbelkonzeption gehalten.

Was uns der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Möbelgestaltung beschert und welche Highlights es auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand sonst noch zu bestaunen gab, haben wir für Sie zusammengefasst.

Die Einrichtung folgt dem Platzangebot: klein und schlicht

Die Mietpreise in Deutschland explodieren. Viele Menschen sind dazu gezwungen, etwas kleiner zu denken, wenn es um eine bezahlbare Wohnung geht. Was bei uns noch ein Trend ist, ist vor allem in asiatischen Großstädten schon lange Realität. Wohnraum ist knapp bemessen und muss gut genutzt werden.

Den immer kleiner werdenden Wohneinheiten trugen viele Designer bei der Salone del Mobile 2019 Rechnung. Der Minimalismus zieht in unseren Wohnungen ein… und wir mit kleinen Möbeln deutlich leichter um. Denn die Arbeitswelt von heute verlangt nach Flexibilität. Und die ist mit schweren Schrankungetümen und sperrigen Wohnlandschaften nun einmal nicht gegeben.

Mit einem Aluminiumregal aus einzelnen Modulen folgt eine unbekannte, italienische Möbelmarke namens Kriptonite diesem Trend. Die flexiblen Einsatzmöglichkeiten von „Krossing“ als Wandregal oder als Raumteiler in seiner absoluten Leichtigkeit, man möchte fast sagen, Schwerelosigkeit, verkörpern die Kombination aus Flexibilität und Minimalismus in Perfektion.

Cecile Manz präsenteierte für Frederica Furniture einen Stuhl aus Eichenholz, der an Schlichtheit nicht zu übertreffen ist. Seine Armlehnen verlaufen nach innen, so dass sein Platzbedarf äußerst gering ist. Dem darauf Sitzenden bietet „Post“ hingegen ausreichend Platz.

Das nachhaltige Bewusstsein: Natürlich und recycelt

„Post“ ist zudem ein Beispiel für einen weiteren Einrichtungstrend: die Verwendung von Holz. Aber nicht nur natürlichen Rohstoffen, auch recycelten Materialien gehört, der Salone del Mobile 2019 zufolge, die Zukunft. Und diese hat bereits begonnen. So stellte Mater, ein auf Nachhaltigkeit fokussiertes Möbellabel, seine Kollektion aus recyceltem Plastikmüll aus unseren Meeren und aus recycelten Fischernetzen vor. „Ocean“ nennt sich diese Linie passender Weise, die historische Designs von Nanna und Jørgen Ditzel aufgreift.

Auch das bekannte Label Kartell nähert sich langsam dem Thema Nachhaltigkeit an. „Componibili“ wurde bereits 1969 von Anna Castelli Ferrieri designed. 50 Jahre später erlebt der stapelbare Container sein Revival. „Componibili Bio“ ist, im Gegensatz zu seinem Vorgängermodell, jedoch vollständig aus Bioplastik gefertigt.

Die neue Ausdrucksstärke: Farbenfroh und retro

Wer nicht auf Naturfarben setzt, liebt es in 2019 bunt. So wie Kartell seine „Componibili Bio“-Container in verschiedenen Farben anbietet, setzt auch Schönbuch farbige Akzente. Mit „Souvenir“ bietet Schönbuch eine farbenfrohe Schubkastenbox. Und auch weitere Accessoires, wie ein schlichtes, aber farbintensives Tablett oder ebenso farbige Vasen, präsentierte Schönbuch auf seinem Messestand unter dem Motto „We are not afraid of colour.“.

Nicht nur Kartells stapelbarer Container erlebt auf der Mailander Möbelmesse seinen zweiten Frühling. Retro ist in. Zum 100. Geburtstag des Bauhausstils ergänzten die Brüder Bouroullec vom Label Cassina die bestehende „Cotone“-Linie um Sofa, Sessel, Beistell- und Kaffeetische – ganz im Bauhausstil.

Die Zukunft ist da: Möbeldesign und künstliche Intelligenz

Kartell präsentierte auf der Salone del Mobile 2019 eine Weltneuheit: einen Stuhl, der im Zusammenspiel zwischen Philippe Starck und künstlicher Intelligenz entwickelt wurde. Der Auftrag lautete, mit möglichst geringem Materialeinsatz einen Stuhl zu entwickeln, der dennoch bequem und stabil ist. Ob „A.I.“ allerdings die an ihn gestellten Forderungen in puncto Ästhetik erfüllt, liegt wohl im Auge des Betrachters. Doch der Einzug der künstlichen Intelligenz in das Möbeldesign ist wegweisend.

Und, wie könnte es auch anders sein, so mischt Google immer und überall mit. Im Falle der Mailänder Möbelmesse unterstützte Google ein Experiment, das der dänische Möbelproduzent Muuto gemeinsam mit der John-Hopkins-Universität in der Innenstadt von Mailand durchführte. Dabei durften sich die Teilnehmer in verschieden möblierten Räumen aufhalten. Währenddessen wurden, mithilfe smarter Armbänder von Google, ihre Körperfunktionen aufgezeichnet. So wird messbar, welchen Einfluss die Raumgestaltung auf uns hat.

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