Glasgow – trendiger Hot-Spot der Gegensätze

Glasgow eilt der Ruf einer rauen Arbeiterstadt voraus, hat hinter den Kulissen aber eine ganze Menge Ästhetik zu bieten. Fans bunter Street Art kommen in der größten Stadt Schottlands (ja, noch vor Edinburgh) ebenso auf ihre Kosten wie die Liebhaber viktorianischer Architektur.

Und das sind nur zwei Gründe, weswegen Glasgow als neuer „Place to be“ der Städte-Trip-Fraktion gilt. Wir verraten die weiteren und geben Tipps für Ihren Aufenthalt in der einstigen Stadt der Messer.

„Scotland with style …“

… so lautete der Name der im Jahr 2004 gestarteten Werbekampagne (immerhin mit einem Budget von 1 Million £), die junge Leute, hippe Unternehmen und Vertreter des urbanen Lifestyles in die Stadt locken sollte. Und das Konzept ging auf. Glasgow gewinnt noch heute mit seinen über 700 Parks und Grünflächen, viktorianischen Bauten und zahlreichen Kultur-Einrichtungen zunehmend an Attraktivität, auch wenn triste Betonbauten nach wie vor einen großen Teil des Stadtbildes prägen. Vielleicht sind es aber auch gerade diese Gegensätze, die die schottische Metropole so faszinierend machen.

The skyline of Glasgow city centre looking towards George Square

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Charles Rennie Mackintosh a portrait from Scottish money

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Der Glasgow Style

Dass die drittgrößte Stadt des Vereinigten Königreichs mehr ist als nur eine graue Stadt im Regen, haben schon andere entdeckt. Im Jahr 1990 wurde Glasgow zur „Kulturhauptstadt“ gekürt, neun Jahre später zur „Architektur- und Designhauptstadt Großbritanniens“ (fanden die Nachbarn aus der Hauptstadt übrigens nur so mittel gut). Jedenfalls gibt es mindestens eine Person, die maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen hat: Charles Rennie Machintosh. Der Zeit seines Lebens sehr unterschätzte und verkannte Designer, Architekt und Künstler prägte nicht nur das Stadtbild selbst, sondern etablierte auch den heute berühmten „Glasgow Style“, eine spezielle Interpretation des Jugendstils, die sich durch die Liebe zu organischen, floralen Formen und den Verzicht von übertriebenen Schnörkel auszeichnet. Nachdem Mackintosh 1928 verarmt in London starb, schaffte es sein Konterfei gute 80 Jahre später auf die 100 £ Note. Und auch heute ist sein Einfluss in der Stadt spürbar. Ob ein Besuch des „Mackintosh House“ nahe der Universität oder in einer der zahlreichen Ausstellungen in den Stadt-Museen: An Mackintosh kommt man in Glasgow nicht vorbei. Alles andere wäre auch zu schade. Übrigens: Alle Museen (ob mit oder ohne Mackintosh) gewähren ganzjährig kostenlosen Eintritt.

Street Art an jeder Ecke

Die schottische Designmetropole gilt als Stadt der Gegensätze. Seelenlose Beton-Klötze treffen auf historische Denkmäler, anspruchsvolle Museen auf bunte Street Art. Letztere steht exemplarisch für das junge, moderne Glasgow. International bekannte Graffiti-Künstler wie Sam Bates aka Smug, James Klinge aka Klingatron oder der einheimische Rogue-One haben das Stadtbild im Laufe der Jahre mit ihren fotorealistischen Werken an nahezu jeder Ecke verschönert und fulminante Eyecatcher geschaffen, die den Betrachter staunen lassen. Für Interessierte gibt es einen eigenen Street Art Guide zum kostenlosen Download oder die Möglichkeit, in Begleitung eines menschlichen Photo Walk Guides (75 £ für vier Stunden) die Highlights der Glasgower Street Art Kultur zu entdecken. So eine Tour eignet sich auch ideal, um die einheimische Gastronomie abseits der bekannten Touristen-Plätze wie dem George Square kennenzulernen, denn so manches Kunstwerk verbirgt sich in kleinen Seitenstraßen außerhalb des Zentrums, das man ohne Guide garantiert niemals gefunden hätte.

Designevents

In der ehemaligen Arbeiterstadt ist immer etwas los. Wöchentlich findet jeweils von Samstag bis Sonntagmittag die beliebte „Craft & Design Fair“ im Merchant Square statt. Von Deko-Objekten über Wandschmuck bis hin zu Kerzen, Papeterie und Fotografien lokaler Künstler – hier präsentiert die schaffende Kreativ-Szene ihre gesammelten Werke. Sehenswert ist auch die im Sommer stattfindende Messe „Made in Glasgow by local heroes“, die in Zusammenarbeit mit der ortsansässigen  „Chamber of Commerce“ ausgerichtet wird und die Produkte der führenden Designer der Stadt zeigt.

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